Balkonkraftwerk 800 Watt: Was ist erlaubt?
Von Alexander Müller, Stand 29. Oktober 2026
Kurz gesagt
- Ein Balkonkraftwerk darf höchstens 800 VA Wechselrichterleistung haben. Das ist die Leistung, die ins Hausnetz fließt – nicht die Leistung der Module.
- Die Module haben eine eigene Grenze von bis zu 2.000 Wp (Details unter 2000 Watt). Über eine Schuko-Steckdose sind laut Produktnorm nur 960 Wp zulässig.
- Alle Geräte an einem Anschluss werden zusammengerechnet. Bei einstellbaren Wechselrichtern zählt die höchste einstellbare Leistung.
- Wer die Grenzen überschreitet, verliert die vereinfachten Regeln: Dann brauchst du ein reguläres Anschlussverfahren beim Netzbetreiber.
- Ein typisches 800-Watt-Set erzeugt je nach Montage rund 550 bis 950 kWh im Jahr.
Was die 800-Watt-Grenze genau begrenzt
Bei einem Balkonkraftwerk stehen meist zwei Zahlen auf dem Karton, und sie meinen etwas völlig anderes.
- Wechselrichterleistung (VA oder W): Der Wechselrichter wandelt den Gleichstrom der Module in Wechselstrom für deine Steckdose um. Seine maximale Ausgangsleistung ist das, was gesetzlich auf 800 Voltampere (VA) begrenzt ist. VA ist die sogenannte Scheinleistung; bei Balkon-Wechselrichtern entspricht sie praktisch der Wattzahl, deshalb liest du oft „800 Watt”.
- Modulleistung (Wp): Watt Peak beschreibt, was die Solarmodule unter genormten Testbedingungen liefern. Hier liegt die Grenze bei 2.000 Wp.
Ein „800-Watt-Balkonkraftwerk” ist also eines mit 800-VA-Wechselrichter. Daran können durchaus 850, 900 oder 1.000 Wp Module hängen. Wie viel Modulleistung sinnvoll ist und was bei mehr als 960 Wp gilt, erklären wir ausführlich unter Balkonkraftwerk 2000 Watt.
| Was | Grenze | Grundlage |
|---|---|---|
| Wechselrichterleistung | bis 800 VA | § 8 Abs. 5a EEG |
| Modulleistung | bis 2.000 Wp | § 8 Abs. 5a EEG |
| Modulleistung an Schuko-Steckdose | bis 960 Wp | Produktnorm DIN VDE V 0126-95 |
Rechtsgrundlage: Wo die 800 VA stehen
Die Grenze steht im Erneuerbare-Energien-Gesetz. § 3 Nr. 43 EEG definiert das Steckersolargerät als Gerät aus Solarmodulen, einem Wechselrichter, einer Anschlussleitung und einem Stecker zum Anschluss an den Endstromkreis eines Verbrauchers. § 8 Abs. 5a EEG legt fest: Ein oder mehrere Steckersolargeräte mit einer installierten Leistung von insgesamt bis zu 2 Kilowatt und einer Wechselrichterleistung von insgesamt bis zu 800 Voltampere dürfen vereinfacht angeschlossen werden. Zusätzliche Meldungen an den Netzbetreiber darf dieser nicht verlangen, die Registrierung im Marktstammdatenregister bleibt aber Pflicht.
Von 600 auf 800 Watt: kurze Geschichte
Bis 2024 lag die Grenze bei 600 VA. Sie stammte nicht aus einem Gesetz, sondern aus der technischen Anwendungsregel VDE-AR-N 4105 in der Fassung von November 2018. Mit dem Solarpaket I hat der Gesetzgeber diese Grenze durch die Regel im EEG ersetzt und auf 800 VA angehoben. Laut VDE FNN war die Anhebung schon im Entwurfsstadium mit der Branche abgestimmt. In Kraft ist sie seit dem 16. Mai 2024.
Seitdem haben auch die technischen Regeln nachgezogen: Die Produktnorm DIN VDE V 0126-95 (seit Dezember 2025) erlaubt Wechselrichter bis 800 VA, die Anwendungsregel VDE-AR-N 4105:2026-03 ist seit dem 1. März 2026 anwendbar. Beide sind keine Gesetze, werden aber über die technischen Anschlussbedingungen der Netzbetreiber relevant. Was die Regelwerke im Einzelnen festlegen, steht unter VDE-Norm 2026, was das für den Stecker bedeutet, unter Schuko oder Wieland?.
Ausblick: Für das EEG 2027 hat die Bundesregierung einen Gesetzentwurf vorgelegt (Bundestags-Drucksache 21/7867 vom 07.09.2026). Nach einem Bericht von t-online (30.07.2026) sollen die Grenzen von 2 kW und 800 VA unverändert bleiben. Beschlossen ist das Gesetz noch nicht – wir aktualisieren diese Seite, sobald sich etwas ändert.

Mehrere Geräte an einem Anschluss: Es wird zusammengerechnet
Die Grenzen gelten nicht pro Gerät, sondern pro Anschluss. Die Bundesnetzagentur rechnet alle Steckersolargeräte zusammen, die hinter derselben Entnahmestelle hängen – in der Regel ist das dein Stromzähler.
Beispiel der Bundesnetzagentur: Zwei Geräte mit je 600 VA ergeben 1.200 VA. Damit ist die 800-VA-Grenze überschritten, und die Sonderregeln für Balkonkraftwerke gelten nicht mehr.
Für dich heißt das:
- Ein zweites Set mit eigenem Wechselrichter an derselben Wohnung fällt nur dann unter die vereinfachten Regeln, wenn beide Wechselrichter zusammen höchstens 800 VA haben.
- Mehr Module an einen 800-VA-Wechselrichter zu hängen ist dagegen erlaubt, solange du insgesamt bei maximal 2.000 Wp bleibst.
- Im Mehrfamilienhaus hat jede Wohnung in der Regel ihren eigenen Zähler. Laut Verbraucherzentrale werden mehrere Balkonkraftwerke verschiedener Nachbarn nicht zu einer großen Anlage zusammengefasst.
Technisch gilt zusätzlich: Laut DKE-Auslegung der Produktnorm DIN VDE V 0126-95 muss am Stecker stehen, dass pro Haushalt nur ein Steckersolargerät angeschlossen werden darf. Mehrere Geräte an einem Haushaltsstromkreis erhöhen das Risiko, die Leitung zu überlasten. Planst du ein zweites Gerät, sprich vorher mit deinem Netzbetreiber und einer Elektrofachkraft.
Gedrosselte Wechselrichter: Die höchste einstellbare Leistung zählt
Viele Wechselrichter lassen sich per App auf eine niedrigere Leistung einstellen. Für die rechtliche Einordnung ist das aber nicht entscheidend. Die Bundesnetzagentur stellt klar: Maßgeblich ist stets die höchste wählbare Leistung. Ein Gerät, das maximal 900 VA kann, fällt nicht unter die 800-VA-Regel – auch wenn es auf 600 VA gedrosselt ist.
Upgrade von 600 auf 800 Watt
Manche Balkonkraftwerke aus der Zeit vor Mai 2024 haben einen Wechselrichter, der eigentlich 800 VA kann, aber wegen der damaligen Grenze auf 600 W gedrosselt ausgeliefert wurde. Laut Hersteller Anker lässt sich die Drosselung bei einigen Modellen über die Hersteller-App oder eine Kommunikationseinheit (DTU) auf 800 W anheben. Ob das bei deinem Gerät geht, steht im Datenblatt oder erfährst du beim Hersteller.
Rechtlich ist das Upgrade unkompliziert, wenn der Wechselrichter maximal 800 VA kann: Er galt wegen der Regel zur höchsten einstellbaren Leistung schon immer als 800-VA-Gerät. Wichtig ist der Eintrag im Marktstammdatenregister. Hast du dort 600 VA angegeben, musst du den Wert laut Bundesnetzagentur auf die tatsächliche Höchstleistung korrigieren. Wie die Registrierung funktioniert, steht unter Balkonkraftwerk anmelden.
Anders sieht es bei einem Wechselrichter mit mehr als 800 VA Höchstleistung aus, der nur per App auf 800 W begrenzt wird: Nach der Lesart der Bundesnetzagentur fällt er nicht unter die Sonderregeln für Balkonkraftwerke.
Speicher mit mehr als 800 Watt AC-Leistung
Bei Speichern ist die Lage komplizierter. Einige Modelle können deutlich mehr als 800 W Wechselstrom abgeben: der Zendure SolarFlow 2400 Pro bis 2.400 W, der Marstek Venus E 3.0 2,5 kW und die Anker SOLIX Solarbank 3 Pro 1.200 W. Die Einspeisung ins Netz wird bei diesen Geräten per Software auf 800 W begrenzt, bei Anker ist das ab Werk voreingestellt.
Weil die Bundesnetzagentur die höchste einstellbare Leistung zählt, ist rechtlich nicht abschließend geklärt, ob diese Software-Drosselung genügt. Hinzu kommt: Ob ein Speicher zusätzlich beim Netzbetreiber gemeldet werden muss, ist umstritten. Frag vor dem Kauf deinen Netzbetreiber.
Die Einzelheiten zu Speichern – Anmeldung, Stecker, Einspeisung – erklären wir unter Balkonkraftwerk mit Speicher und im Speicher-Vergleich. Wer ein vorhandenes Set aufrüsten will, liest Speicher nachrüsten.
Was passiert, wenn du die Grenzen überschreitest?
Eine Anlage mit mehr als 800 VA (oder mehr als 2.000 Wp) ist nicht automatisch verboten. Die Clearingstelle EEG|KWKG betont ausdrücklich, dass daraus nicht folgt, dass der Anschluss grundsätzlich unzulässig ist. Aber du verlierst die Erleichterungen für Steckersolargeräte:
- Kein vereinfachter Anschluss: Du musst ein reguläres Netzanschlussbegehren beim Netzbetreiber stellen.
- Fachkundiger Anschluss: Oberhalb von 800 VA muss laut Clearingstelle der Netzbetreiber oder eine fachkundige Person anschließen.
- Zähler: Die Duldung eines alten, rückwärtslaufenden Zählers bis zum Tausch gilt laut Bundesnetzagentur nur für Geräte innerhalb der Grenzen.
- Anmeldung: Nötig sind dann sowohl die Meldung beim Netzbetreiber als auch der Eintrag im Marktstammdatenregister (VDE FNN).
Falsche Angaben im Marktstammdatenregister musst du korrigieren. Was bei einer fehlenden oder falschen Registrierung passiert, erklären wir unter Balkonkraftwerk anmelden.
Hinweis: Diese Seite ersetzt keine Rechtsberatung. Wie deine konkrete Anlage einzuordnen ist, entscheiden im Einzelfall dein Netzbetreiber und eine Elektrofachkraft.
Wie viel Strom erzeugt ein 800-Watt-Balkonkraftwerk?
Der Ertrag hängt fast nur von der Modulleistung und der Montage ab. Das Umweltbundesamt (Stand 20.03.2026) rechnet bei Südausrichtung mit optimalem Neigungswinkel mit rund 950 Volllaststunden im Jahr. Senkrecht am Balkongeländer sinkt der Ertrag um rund 30 Prozent auf etwa 665 Volllaststunden. Für 800 W Modulleistung senkrecht nennt das Umweltbundesamt rund 532 kWh im Jahr.
Übertragen auf die Sets unten ergibt sich folgender Überschlag:
| Set | Modulleistung | senkrecht am Balkon | schräg nach Süden |
|---|---|---|---|
| Sunniva 850W Komplettset | 850 Wp | ca. 565 kWh | ca. 810 kWh |
| priwatt priFlat Duo | 900 Wp | ca. 600 kWh | ca. 855 kWh |
| priwatt priBasic Duo | 1.000 Wp | ca. 665 kWh | ca. 950 kWh* |
*Bei 1.000 Wp an 800 VA kann der Wechselrichter an sehr sonnigen Mittagen etwas abregeln, der reale Ertrag liegt dann leicht darunter.
Das ist eine vereinfachte Rechnung mit Durchschnittswerten. Standort, Verschattung und Wetter verschieben die Zahlen deutlich. In unserer PVGIS-Modellrechnung für Frankfurt am Main kommen 960 Wp nach Süden zum Beispiel auf rund 1.050 kWh (Details unter 2000 Watt mit Speicher).
Was davon nützt dir? Ohne Speicher verbraucht ein Haushalt laut Umweltbundesamt im Schnitt rund 45 Prozent des Solarstroms direkt selbst. Bei 565 kWh sind das gut 250 kWh, beim durchschnittlichen Strompreis von 37,3 Cent pro kWh (BDEW, Oktober 2026) also rund 95 Euro im Jahr. Ob und wann sich ein Speicher dazu rechnet, zeigt Lohnt sich ein Balkonkraftwerk-Speicher?.
Die drei 800-Watt-Sets aus unserem Vergleich
Alle drei Sets haben einen 800-W-Wechselrichter und bleiben damit innerhalb der Einspeisegrenze. Unterschiede gibt es bei der Modulleistung – und damit beim Stecker:
- Sunniva 850W Komplettset (ab 259 €): 850 Wp, unter der Schuko-Grenze von 960 Wp. Der Wechselrichter unterscheidet sich je nach Angebot (TSUN oder Growatt NEO-800M-X) – prüf vor dem Kauf das Datenblatt.
- priwatt priFlat Duo (ab 369 € mit Aufständerung): 900 Wp, ebenfalls unter 960 Wp. Gedacht für Garten, Terrasse oder Flachdach.
- priwatt priBasic Duo (ab 299 €): Mit 2 × 500 Wp liegt das Set bei 1.000 Wp und damit über der Schuko-Grenze der Produktnorm. Die Variante mit 2 × 455 Wp kommt auf 910 Wp.
Preise laut unserem Datenstand vom 29.10.2026, sie ändern sich häufig. Grundlagen für Einsteiger erklärt Was ist ein Balkonkraftwerk?, alle Sets findest du im Vergleich.
Checkliste vor dem Kauf
- Höchstleistung des Wechselrichters im Datenblatt prüfen: maximal 800 VA – nicht nur „auf 800 W eingestellt”.
- Andere Geräte am selben Zähler mitzählen: Alle Wechselrichter zusammen höchstens 800 VA, alle Module zusammen höchstens 2.000 Wp.
- Modulleistung und Stecker abgleichen: Bis 960 Wp Schuko laut Norm möglich, darüber Energiesteckdose (z. B. Wieland) vom Elektriker.
- Speicher mit mehr als 800 W AC nur nach Rückfrage beim Netzbetreiber.
- Vermieter oder Eigentümergemeinschaft um Zustimmung bitten – sie darf laut Verbraucherzentrale seit Oktober 2024 nur bei Unzumutbarkeit verweigert werden.
- Marktstammdatenregister: innerhalb eines Monats nach Inbetriebnahme registrieren, mit der tatsächlichen Höchstleistung des Wechselrichters.
- Montageort realistisch einschätzen: Senkrecht am Geländer bringt rund 30 Prozent weniger als schräg nach Süden.
Fazit
Die 800-Watt-Grenze betrifft nur den Wechselrichter, also das, was ins Hausnetz fließt. Module darfst du bis 2.000 Wp anschließen, über Schuko laut Norm bis 960 Wp. Entscheidend sind zwei Punkte, die oft übersehen werden: Alle Geräte an einem Zähler zählen zusammen, und bei einstellbaren Wechselrichtern gilt die höchste mögliche Leistung. Wer darauf achtet, kann ein 800-Watt-Set ohne Netzbetreiber-Anmeldung betreiben – die Registrierung im Marktstammdatenregister bleibt Pflicht.
800-Watt-Sets im Vergleich
Preise: Datenstand Oktober 2026, können sich inzwischen geändert haben.
Speicher: — · Leistung: 800 W · ab 299 €
Speicher: — · Leistung: 800 W · ab 259 €
Speicher: — · Leistung: 800 W · ab 369 €